Die Verhaltenstherapie zählt neben den psychoanalytisch- und tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapieformen zu den großen klassischen Psychotherapieschulen. Grundlage der Verhaltenstherapie ist die Lernpsychologie.

Die Entstehung der modernen Verhaltenstherapie lässt sich in die 1950`er / 1960`er Jahre einordnen. In den 1970er Jahren fand die so genannte „Kognitive Wende in der Verhaltenstherapie“ statt. Seit damals wird die Wichtigkeit kognitiv-emotionaler Prozesse explizit betont. Grundlagen der Verhaltenstherapie sind vor allem Erkenntnisse der empirischen Psychologie.

In diesem Sinne  veränderte / modifizierte sich die Verhaltenstherapie auf der Grundlage von psychologisch wissenschaftlichen Erkenntnissen betreibt. Psychologische Diagnostik und psychotherapeutische Vorgehensweisen basieren dementsprechend auf einer wissenschaftlichen, Evidenz basierten Grundlage.

Als eine der bis heute erfolgreichsten psychotherapeutischen Interventionen überhaupt, wurden in den 1980`er Jahren in den USA sog. „Expositionsverfahren“ entwickelt. Diese sind heute Standartverfahren bei der Behandlung von Ängsten.

Seit Anfang `00 / bis heute werden verstärkt  „Schemata“ (Grundannahmen / gedankliche Muster) und „Modus-Modelle“ (Bewältigungsmuster) in die  psychotherapeutische Behandlung miteinbezogen. Hierdurch wird eine ausgeprägte und notwendige Erlebensaktivierung ermöglicht.

Das allgemeine Vorgehen in der Verhaltenstherapie orientiert sich an den aktuell vorliegenden Beschwerden des Patienten. Diese werden im Rahmen einer ausführlichen Diagnostik unter besonderer Einbeziehung ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung abgeklärt. Hier werden je nach Problematik Merkmale des Betroffenen, Einflüsse des sozialen Umfeldes, der Familie, etc. mit einbezogen.

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass jedes Verhalten nach gleichen Prinzipien erlernt, aufrechterhalten und auch wieder verlernt werden kann.
Wichtig ist, dass hier unter „Verhalten“ nicht nur unsere äußerlich sichtbaren Aktivitäten gemeint sind, sondern auch die inneren Vorgänge wie Emotionen, Denken, Erinnern (kognitive Vorgänge) und körperliche (psychophysiologische) Prozesse.

Die Wirkung der Verhaltenstherapie besteht darin, in und außerhalb der Behandlung Lern- und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen, damit der Betroffene eigene -oft gewohnheitsmäßig ablaufende- Verhaltensmuster erkennt und verändern kann, die bislang seinem Wohlbefinden im Wege stehen.

So können mit Hilfe verhaltenstherapeutischer Techniken unterschiedliche Bereiche verändert werden:

  • Erlernen von Fertigkeiten, um die Symptome einer Erkrankung besser zu bewältigen (Angstbewältigung, Minderung depressiver Beschwerden, Einflussnahme auf Schmerzen, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung von Konzentration und Aufmerksamkeit,…).
  • Einflussnahme auf Denkvorgänge, die in der Auseinandersetzung mit sich selbst oder der Umgebung als belastend erlebt werden und die einen daran hindern, wichtige Ziele (Prüfungen, Meistern schwieriger Situationen,…) zu erreichen.
  • Erwerb von Selbstbewußtsein i.S. der elementaren psychologischen Grundbedürfnisse (Selbstwert, Beziehung / Bindung, Kontrolle, Lust / Freude) und dem Umgang / dem Verständnis des eigenen Erleben.
  • Verarbeitung zurückliegender belastender Erfahrungen, aktueller Krisen und schwieriger Lebenssituationen.
  • Erlernen von Fähigkeiten, das Leben grundsätzlich positiver und befriedigender zu gestalten, z.B. durch ein so genanntes „Genusstraining“.

Verhaltenstherapeutischen Einsatzbereiche umfassen neben psychischen Störungen im engeren Sinn auch allgemeine Lebensprobleme, psychische Probleme und Begleiterscheinungen von somatischen Erkrankungen.

Ein sehr wesentliches Element der Verhaltenstherapie ist die Mitarbeit des Einzelnen und ggf. des Bezugssystems im Rahmen der Therapie. D.h. Strategien, Techniken, welche in den Therapiestunden erarbeitet wurden, werden dann als Trainingsaufgaben „in der Realität“ umgesetzt und überprüft, in wie weit sie für den Betroffenen auch anwendbar sind und zur Bewältigung zukünftig auftretender „kritischer “ Situationen herangezogen werden können (der Patient wird zum Fachmann für die Bewältigung seiner Erkrankung gemacht) und erhöht damit die Selbstwirksamkeitserwartung.

Merkmale der Verhaltenstherapie

  • Die moderne Verhaltenstherapie (VT) betont die aktive Rolle des Patienten bei der Gestaltung und Beeinflussung seiner Lebensumstände.
  • Statt Beschwerden, Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten als Symptome einer Erkrankung zu betrachten, sieht die VT diese als Probleme zwischen einem Ist-Zustand und einem Soll-Zustand an (Störungsmodell).
  • VT agiert grundsätzlich problemorientiert und setzt an der aktuellen Problematik an. Mittels Problem- und Verhaltensanalysen werden die Problembedingungen spezifisch herausgearbeitet (, welche in der Gegenwart, aber auch in der Vergangenheit liegen können), um ein individuelles Therapie- und Veränderungsprogramm erstellen zu können (Problemorientierung).
  • VT ist zielorientiert – sie setzt eine explizite Zieldefinition durch Patient und Therapeut voraus
  • VT ist handlungsorientiert – sie setzt die aktive Mitarbeit des Betroffenen voraus
  • VT ist übertragbar- sie strebt die Übertragbarkeit der in der Therapiesituation erarbeiteten Fähigkeiten in das Alltagsleben an.
  • VT ist bedingungsorientiert- sie orientiert die Ziele ihrer Interventionen an den Bedingungen, die vorausgehend, auslösend oder aufrechterhaltend für das Problemverhalten sind.
  • VT ist transparent – Therapie soll in der Regel für den Betroffenen transparent und durchschaubar sein.
  • VT ist basiert auf einem Arbeitsbündnis – sie sieht Therapeuten und Patienten als Partner in einem Arbeitsbündnis an und ermöglicht dem Patienten eine gleichberechtigte Rolle bei der Behandlung seiner Störung
  • VT sieht das Ziel jeglicher Therapie als Hilfe zur Selbsthilfe an.
  • VT ist evidenzbasiert- entwickelt sich im ständigen Austausch mit der empirischen Forschung (Sozial-, Entwicklungs-, Klinische-Psychologie, Medizin, Biologie) (Aktualität).