Noch einmal nachschauen, ob man den Schlüssel dabei hat oder ob das Bügeleisen wirklich ausgeschaltet ist, für längere Zeit eine bestimmte Melodie nicht aus dem Kopf bekommen oder beim Einräumen der Gläser nochmals kontrollieren, ob sie wirklich sauber sind. Solche oder ähnliche Erfahrungen kennen fast alle Menschen. Sie sind manchmal nützlich, oft lästig, aber meistens harmlos. Nehmen solche und ähnliche Gewohnheiten jedoch ein Ausmaß an, das den gesamten Alltag dominiert, spricht man von einer Zwangserkrankung. Das ist der Fall, wenn Zwangsgedanken oder -handlungen immer wieder auftreten und die Form von komplexen Ritualen annehmen. Selbst wenn sie als unsinnig erkannt werden, ist es meist unmöglich, Zwänge zu unterdrücken oder zu ignorieren. Denn allen Zwangserkrankungen ist eins gemeinsam: das körperliche Unbehagen und die Unruhe, die sich bis ins Unerträgliche steigern und als so quälend erlebt werden, dass das Ritual zwanghaft ausgeführt werden muss, um auch nur einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Schließlich wird der Handlungsspielraum so sehr eingeschränkt, dass der Zwang den gesamten Lebensalltag bestimmt.

Befürchtung und Ritual: ein Teufelskreis

Zwangsstörungen sind relativ häufig und gehören zu den belastendsten psychischen Problemen. Zahlreiche Faktoren können zu ihrer Entstehung führen: Körperliche Veränderungen, eine besondere Empfindsamkeit gegenüber Belastungen, schwierige Lebenssituationen, einschneidende Ereignisse, Erziehung und familiäre Einflüsse können alle zur Entwicklung zwanghafter Gewohnheiten beitragen. Meist beginnt die Störung harmlos. Man sieht z. B. einen Schmutzfleck und hat die Vorstellung, sich unbedingt waschen zu müssen. So entstehen Unruhe, Anspannung oder auch Angst. Die Hände müssen gewaschen werden, um die Unruhe zu verringern. Manchmal kann das Unbehagen auch nur durch gedankliche Rituale, wie z. B. Zählen, vermindert werden. Werden solche Rituale nun häufiger ausgeführt, kommt es zwar kurzfristig zur Beruhigung, aber leider auch zur Verfestigung der ursprünglichen Befürchtung: Wenn ich die Hände nicht gewaschen hätte, hätte ich mich infiziert, oder: Nur wenn ich bis sieben zähle, kann ich mich beruhigen. Auf diese Weise verschlimmert sich die Situation von Mal zu Mal, der Zwang nimmt zu und ein Teufelskreis von zwanghaften Ritualen beginnt.

Bieten Sie dem Zwang die Stirn

Sie haben die Möglichkeit, Ihre Zwangserkrankung in den Griff zu bekommen. Sie lernen den Teufelskreis des Zwangs mit Hilfe der Konfrontationstherapie zu durchbrechen. Dies geschieht, indem Sie sich mit therapeutischer Unterstützung wiederholt genau mit der Situation konfrontieren, in der Sie starke Beunruhigung spüren, allerdings ohne dass Sie die zwanghaften Rituale oder Gegengedanken anwenden. So können Sie wieder und wieder die konkrete und korrigierende Erfahrung machen, dass das Unterlassen der Rituale nicht in die Katastrophe führt. Durch diese Gewöhnung, die moderne Zwangstherapie nennt diesen Effekt Habituation, verlieren die beunruhigenden Situationen allmählich Ihre Bedrohlichkeit, zwanghafte Gedanken und Rituale müssen nicht mehr eingesetzt werden. Natürlich setzt dieser komplexe Umlernprozess die Anleitung eines Therapeuten voraus – und eine starke Eigenmotivation, dem Zwang die Stirn bieten zu wollen.

In vier Schritten zum Erfolg

Inhaltliche Schwerpunkte, Dauer, Dichte und die konkreten therapeutischen Maßnahmen werden genau auf Ihre individuelle Problematik abgestimmt. Generell besteht jede Angstbehandlung aus vier Schritten:

  1. Erstgespräch
  2. Individuelle Diagnostik und Therapievorschlag
  3. Phase als Intensivtherapie
  4. Selbstkontrollphase

Bei der angewandten Therapie handelt es sich um ein wissenschaftlich überprüftes Verfahren, dessen Wirksamkeit nicht nur durch praktische Erfahrung, sondern auch durch gründliche Untersuchungen belegt ist. Diese zeigen, dass zwischen 70 und 80% der auf diese Weise behandelten Personen ihre Zwangsproblematik erfolgreich und dauerhaft bewältigen konnten. Die Therapie ist grundsätzlich für alle Menschen mit Zwangsstörungen geeignet. Dies gilt auch dann, wenn die Symptomatik bereits sehr lange besteht.